Die Ethik von Baruch de Spinoza — Gratis-Zusammenfassung (2022)

Die Herleitung der Welt aus Gott

Zunächst müssen einige grundlegende metaphysische Begriffe definiert werden:

Substanz wird das genannt, was autonom ist. Substanz kann also nicht aus etwas anderem entstehen. Weil sie in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu irgendetwas steht, mithin Ursache ihrer selbst ist, ist sie in der Zeit nicht begrenzt, sondern unendlich. Unter Attributen sind die wesentlichen Eigenschaften der Substanz zu verstehen, die der Verstand zu erkennen in der Lage ist. Den Gegenpol zum Begriff der Substanz bildet der Begriff des Modus. Darunter fällt alles, was nicht autonom ist, also nicht aus sich selbst heraus existiert. Damit kann ganz allgemein die Welt der endlichen Dinge bezeichnet werden. Die Dingwelt ist mit der Natur gleichzusetzen. Gott ist ein absolutes Sein, das unendlich ist. Er ist nichts anderes als die Substanz, die sich aus unzählig vielen Eigenschaften zusammensetzt. Jedes dieser Attribute besitzt Ewigkeitscharakter. Aus Gott kann somit alles andere hergeleitet werden. Der Substanzbegriff ist also mit dem Gottesbegriff gleichbedeutend. Als frei sind diejenigen Dinge zu bezeichnen, die nur aus ihrer inneren Notwendigkeit heraus existieren und aus sich selbst heraus handeln; als notwendig ist hingegen das zu verstehen, was von außen dahin gehend beeinflusst wird, auf eine bestimmte Art zu sein und zu wirken. Als endlich sind alle Dinge zu bezeichnen, die sich von anderen Dingen abgrenzen. So wird etwa ein Körper beliebiger Größe endlich genannt, weil wir in der Lage sind, einen größeren Körper zu denken. Analog wird auch ein Gedanke durch einen anderen Gedanken begrenzt. Allerdings ist es nicht möglich, dass ein Körper die Grenze eines Gedankens und ein Gedanke die Grenze eines Körpers darstellt.

Gott erkennen: eine Leistung unseres Verstandes

Gott oder die Substanz, die aus unendlich vielen Attributen besteht, die alle ein in Zeit und Raum unbegrenztes Wesen zum Ausdruck bringen, existiert aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Alle endlichen Dinge sind durch andere endliche Dinge begrenzt und bestimmt und kennen diese innere Notwendigkeit ihrer Existenz nicht. Kein endliches Ding kann unmittelbar Gott als seine Ursache haben. Aber alle Formen des Daseins, auch die Menschen, sind von ihrem Wesen her in Gott angelegt. Das heißt, Gott begründet nicht allein das Dasein der Dinge, sondern auch ihr Wesen. Gott wird von niemandem zu Handlungen gezwungen, sondern er handelt nach den Gesetzen seiner Natur. Die Leistung des menschlichen Verstandes besteht darin, dass er Attribute Gottes erkennt. Der Verstand wie auch der Wille sind aber nicht etwa eigenständige Teile einer schöpferischen Natur, sondern gehören einer Natur an, die selbst bereits Schöpfung ist. Darum ist auch der Wille nicht eigenständig, vielmehr unterliegt er der Notwendigkeit. Zur Welt der Dinge gibt es keine Alternative: Sie konnte in keiner anderen Form hervorgebracht werden, als dies durch Gott geschehen ist. Die Macht Gottes liegt in seinem Wesen selbst begründet. Was unserer Erkenntnis nach zu Gottes Macht gehört, ist Teil seiner inneren Notwendigkeit.

Körper und Wesen: die zwei Seiten des Daseins

Wenn man also Gott als in ein in Raum und Zeit unbegrenztes Wesen versteht, das aus sich selbst heraus die Notwendigkeit seines Seins schafft, was bedeutet das dann für Begriffe wie Körper, Wesen, Idee, Dauer, Wirklichkeit und Einzeldinge? Der Körper ist der begrenzte Ausdruck des göttlichen Wesens, sofern er als ein im Raum ausgedehntes Ding angesehen wird. Das Wesen wiederum ist dessen notwendige Bestimmung; fehlt diese Bestimmung, existiert das Ding notwendigerweise nicht mehr. Mit Idee ist der benennende Begriff gemeint, den der Geist ausbildet, weil er erkennen kann. Unter Dauer ist die in der Zeit unbegrenzte Fortsetzung der Existenz zu verstehen. Wirklichkeit ist nichts anderes als Vollkommenheit. Einzeldinge sind Erscheinungsformen, die vom Menschen wahrgenommen und empfunden werden können.

Das Göttliche im Menschen

Die in Raum und Zeit unbegrenzte göttliche Substanz verfügt über zwei Attribute: das unendliche Denken und die unendliche Ausdehnung. Unendliche Ausdehnung bedeutet letztlich auch Körperlosigkeit, was für die Vorstellung Gottes von besonderer Bedeutung ist. Die Formen, in denen sich jedes Attribut ausbildet, haben ihre Ursache in Gott. Das Wesen des Menschen besteht aus Attributen Gottes. Die Substanz hingegen gehört nicht zum Wesen des Menschen. Aus der Sicht des Denkens erscheint dieses Wesen als Idee, aus der Sicht der Ausdehnung erscheint es als Körper. Auch bei einem Wesen wie dem Menschen sind Körper und Seele nicht getrennt, sondern gleichsam Vorder- und Rückseite desselben Wesens.

(Video) Spinoza - Die Suche nach der Wahrheit

Die Affekte: Der Mensch handelt und leidet

Das Leben der Menschen ist von Affekten geprägt, von Liebe, Hass, Freude, Traurigkeit. Zu den Affekten gehören Erregungen des Körpers ebenso wie die Ideen dieser Erregungen, die das Handlungspotenzial des Körpers beeinflussen, es vergrößern oder verkleinern. Affekte werden vom menschlichen Geist also wahrgenommen.

„Unter Substanz verstehe ich dasjenige, was in sich ist und durch sich gedacht wird: das heißt dasjenige, dessen Begriff des Begriffs eines anderen Dinges nicht bedarf, um daraus gebildet zu werden.“ (S.1)

Handlungen sind vom Menschen ursächlich ausgelöste Geschehnisse. Der menschliche Geist versteht sich als handelnd und als erleidend. Er handelt, wenn seine Ideen auf eine einzige Ursache zurückzuführen sind, und leidet, wenn er Ideen hat, deren Wirkungen nicht allein aus einer Ursache abgeleitet werden können.

„Unter Gott verstehe ich das absolute unendliche Sein, das heißt die Substanz, die aus unendlich vielen Attributen besteht, deren jedes ewige und unendliche Wesenheit ausdrückt.“ (S.1 f.)

Die Affekte vollziehen sich mit einer naturgemäßen, konsequenten Notwendigkeit. Diese macht es möglich, Leidenschaften und Triebe quasi mathematisch und sachlich zu analysieren, als würde der Mensch über messbare geometrische Körper verfügen, über Linien und Flächen.

Liebe ist eine Form der Freude, die von einem äußeren Einfluss ausgelöst wird, Hass ist eine durch äußere Ursachen entfachte Form der Traurigkeit. Im Zustand der Freude nähert sich der Mensch der Vollkommenheit, wenn er traurig ist, entfernt er sich von ihr.

Selbsterhaltung als Tugend

Der Notwendigkeit, mit der sich die Affekte vollziehen, ist der Mensch schutzlos ausgeliefert. Er verfügt über keine Mittel, die Affekte zu beherrschen, ist ihnen gleichsam unterworfen und somit unfrei. Dennoch setzt der Mensch Kräfte frei, um das Idealbild seiner selbst zu erreichen, d. h. tugendhaft zu sein. Tugend ist die Macht, die der Einzelne besitzt, sich durchzusetzen und sich selbst zu verwirklichen. Das schließt allerdings ein, dass er erkennt, was für ihn und die anderen gleichermaßen erstrebenswert ist. Vor diesem Hintergrund lassen sich nun Gut und Schlecht voneinander unterscheiden: Das Gute ist ein Mittel, dem Ideal der menschlichen Natur näher zu kommen. Vom Guten weiß man, dass es Nutzen bringt, vom Schlechten hingegen ist zu erwarten, dass es uns daran hindert, das Gute zu besitzen. Das Schlechte ist die Entfernung vom Ideal. Tugendhaftigkeit ist die Fähigkeit des Menschen, eine Lebenskraft aus der gleichen inneren Notwendigkeit heraus zu entwickeln, mit der er selbst existiert. Tugend ist also die Natur und das Wesen des Menschen selbst. Wer ein an guten Handlungen reiches Leben führen und glücklich sein will, der will überhaupt erst einmal leben. Aus Tugend zu handeln heißt der Vernunft gemäß zu handeln, um sich in der Suche nach dem eigenen Nutzen selbst zu behaupten.

(Video) Spinoza (I): Substanz, Gott, Natur, unendliche Modifikation / von Dr. Christian Weilmeier

Kontrolle der Affekte durch den Verstand

Der Mensch hat nicht die Freiheit, über Gut und Böse zu entscheiden. Vielmehr sieht er unter dem Druck fremder Ursachen das als gut an, was seinem Streben nach Selbstbehauptung dienlich ist, und nennt böse, was dem im Weg steht. Wer sich von der Vernunft führen lässt, handelt gut, denn vernünftig zu handeln, setzt eine klare Erkenntnisleistung des Geistes voraus. Die Macht des Geistes ist es letztlich auch, die die Affekte zumindest teilweise zu kontrollieren weiß. Sobald es dem Menschen nämlich gelingt, den Affekt von seiner Ursache zu trennen und ihn mit anderen Gedanken in Verbindung zu bringen, wird er abgemildert, das gilt z. B. für Liebe oder Hass. Die Beherrschung des Affekts vollzieht sich also in dessen gedanklicher Durchdringung. Es gibt somit keine Erregung, die nicht durch die Bildung eines Begriffs erfasst werden kann. Die Voraussetzung, um die Affekte mit dem Verstand fassen zu können, ist eine Lebensweise, die es dem Menschen erlaubt, sich die Gefährdungen durch die Affekte jederzeit zu vergegenwärtigen. Diese Lebensweise gilt es zu finden, denn ihr entspringt eine große seelische Ausgeglichenheit, und sie sorgt dafür, dass Hass und Anfeindungen, die ja der Naturnotwendigkeit entstammen, aus der heraus der Mensch handelt, den Geist nur wenig belasten.

Die Liebe zu Gott: Teilhabe an der Ewigkeit

Der Mensch ist dank seines Verstandes in der Lage, sich geistig und körperlich in eine Beziehung zu Gott zu stellen. Wer sich der Affekte, die ihn bedrängen, ohne Einschränkungen bewusst ist, beginnt Gott zu lieben. Gott selbst ist weder Leid noch Freude unterworfen. Weil Gott niemanden hasst, kann man auch ihn nicht hassen. Doch kann niemand, der Gott liebt, erwarten, dass diese Liebe von Gott erwidert wird. Die Liebe zu Gott ist die einzige Form, in der Gott erkannt werden kann, die einzige Form also, ihn geistig zu besitzen. Dadurch wird ein wesentlicher Unterschied zwischen Gott und der Welt der Dinge deutlich: Zwar kann man Dinge, die man besitzt, lieben, doch die Ursache für Hass und Feindschaft ist gerade die Liebe zu den Dingen, an denen in Wahrheit niemand teilhaben kann. Die Gotteserkenntnis bringt das Leiden nicht zu einem Ende, führt aber zu dessen Verminderung. Darüber hinaus lässt sie eine Liebe zu demjenigen Ding entstehen, das aufgrund seines Ewigkeitswertes von uns wirklich besessen werden kann, also nicht Ausgangspunkt für Streit und Missgunst ist.

Vollkommenheit: mehr handeln, weniger leiden

Stirbt der Körper, so betrifft das den Geist nicht im gleichen Maß. Es bleibt etwas von ihm erhalten, denn er hat Anteil an Ewigkeit und Vollkommenheit. Die Zeit, in der der Geist dem Leiden ausgesetzt ist, entspricht der Lebenszeit des Körpers. Daraus kann gefolgert werden, dass allein die Liebe, die in der Erkenntnis ihren Ursprung hat, ewig ist. Diese Liebe ist in ihrer Unendlichkeit ein Teil der Liebe, mit der Gott sich selbst liebt. Und so wie Gott sich selbst liebt, liebt er auch die Menschen. Dadurch kommen die geistige Liebe zu Gott und die Liebe Gottes zu den Menschen zur Deckung und erweisen sich als ein und dasselbe.

„Der Wille kann nicht eine freie Ursache genannt werden, sondern nur eine notwendige.“ (S.33)

Je leistungsfähiger der Körper ist, desto größer ist der Teil des Geistes, der ewig ist. Erkenntnis, Handeln und Leiden stehen in einer Relation: Wer vollkommen ist, handelt mehr und leidet weniger. Ein solcher Mensch braucht den Tod im Allgemeinen nicht zu fürchten. Das Streben nach einem leistungs- und handlungsfähigen Körper gehört zur menschlichen Existenz, denn ein mit reichen Fähigkeiten versehener Körper hat auch eine große Kenntnis von Gott und der Dingwelt, in der er lebt. Die Religion würde selbst dann den bedeutendsten Platz in unserem Leben einnehmen, wenn wir nicht davon ausgehen könnten, dass der menschliche Geist ewig ist.

Glückseligkeit und Tugend

Von dieser Auffassung scheinen jedoch die meisten Menschen weit entfernt zu sein. Vielmehr herrscht die Meinung vor, dass Frömmigkeit die Freiheit einschränkt. Allein die Furcht vor einer Bestrafung nach dem Tod, vor der Hölle, lässt viele nach den Prinzipien der Frömmigkeit leben – falls sie dazu in der Lage sind. Wer seinen Trieben frönt, handelt nicht aus sich selbst heraus, sondern beschränkt sich darauf, äußeren Einflüssen zu gehorchen.

(Video) Spinoza - Die philosophische Hintertreppe II 6/11

„Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder: Gott ist ein denkendes Ding.“ (S.51)

Wir sind in der Lage, unsere Ausschweifungen zu bremsen, weil wir an der Tugend Gefallen finden. Es ist aber nicht das Ziel der Tugend, unsere Lust zu bändigen. Denn die Tugend ist die Glückseligkeit selbst, und diese nicht etwa der Lohn der Tugend. Das Glück besteht darin, Gott lieben zu können. Diese Liebe ist gleichzusetzen mit dem Geist, der handelt. Deshalb sind Liebe und Tugend ein und dasselbe. Insofern der Geist sich der göttlichen Liebe, der Glückseligkeit erfreut, vermag er die Lust zu kontrollieren. Da die Hemmung der Affekte durch deren geistige Durchdringung möglich wird, ist das Vermögen der Selbstkontrolle nichts anderes als der Zustand der Glückseligkeit.

Europa im 17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert war in Europa eine Zeit tief greifender politischer, religiöser und wissenschaftlicher Umbrüche. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) zementierte die religiöse Spaltung des Kontinents. Die beiden christlichen Konfessionen wurden in hohem Maß zu Instrumenten der Politik gemacht.

Auch das geistige Europa wurde durcheinandergewirbelt: Nikolaus Kopernikus hatte bereits rund 100 Jahre zuvor das geozentrische Weltbild durch das heliozentrische ersetzt, was zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Johannes Kepler und Galileo Galilei bestätigt wurde. Der großen Unsicherheit begegnete die damalige Philosophie mit dem Versuch, die Erscheinungen der Welt zu objektivieren und allgemein einsichtig zu machen. Dazu gehörte auch, dass die Religion der reinen Glaubenssphäre enthoben und zu einem Gegenstand der Vernunft gemacht wurde. Nicht umsonst gilt Spinoza als einer der Begründer der modernen Bibelkritik.

Ein anderer wichtiger Trend jener Zeit: Die Mathematik wurde zunehmend zu einem Instrument der menschlichen Gesamterkenntnis und war Ausdruck eines Strebens nach gedanklicher Klarheit. Die neben Spinoza drei größten Philosophen des 17. Jahrhunderts, René Descartes, Blaise Pascal und Gottfried Wilhelm Leibniz, waren zugleich bedeutende Mathematiker.

(Video) Spinoza: A Complete Guide to Life

Entstehung

16 Jahre lang, von 1661 bis 1677, arbeitete Spinoza an seiner Ethik, aber bereits zwischen 1662 und 1665 wurde die Schrift in ihren Grundzügen fertiggestellt. Nicht nur in ihrer streng methodischen, an der Mathematik ausgerichteten Gedankenführung erinnert sie an Descartes’ Von der Methode, auch inhaltlich ist Descartes’ Einfluss unverkennbar, etwa in dem dualistischen Denken, das Spinoza in die Theorie über die Substanz und ihre Attribute aufnimmt.

Die spätmittelalterliche jüdisch-scholastische Tradition färbte auf Spinoza ebenso ab wie der Neuplatonismus der Renaissance, mit dem sich Spinoza durch seine Lektüre des Renaissance-Gelehrten Leone Ebreo vertraut gemacht hatte. Bei Ebreo fand Spinoza die Annäherung an den Pantheismus und auch die Überzeugung, Gott geistig lieben zu können. Wenn Spinozas Rationalismus ein religiös gefärbter Mystizismus innewohnt, so ist dies nicht zuletzt auch auf die Vielfalt seiner Lektüren zurückzuführen.

Spinoza lebte, während er seine Schriften verfasste und sich seinen Lebensunterhalt als Glasschleifer verdiente, an verschiedenen Orten in den Niederlanden, unverheiratet und zurückgezogen.

Wirkungsgeschichte

Spinoza hielt Die Ethik aus Furcht vor Anfeindung unter Verschluss, auch als er sie schließlich 1677, im Jahr seines Todes, fertiggestellt hatte. So wurde sie erst posthum im Todesjahr von seinen Freunden in Amsterdam veröffentlicht. Aber erst rund 100 Jahre nach Erscheinen begann eine konstruktive, nachhaltige Auseinandersetzung mit der Schrift. Bis dahin wurde Spinoza, wie bereits zu seinen Lebzeiten, gehasst und verspottet. Die jüdische Gemeinde hatte ihn bereits vor seinem Tod ausgeschlossen, und die katholische Kirche setzte seine Werke auf den Index, die Liste der verbotenen Bücher.

In Deutschland wurde der Philosoph zunächst kaum zur Kenntnis genommen, denn die Aufmerksamkeit der Gelehrten galt der ungefähr im gleichen Zeitraum erschienenen Philosophie Leibniz’. 1785 kam dann die Wende: Friedrich Heinrich Jacobi schrieb an Moses Mendelssohn, Spinozas Ethik sei in der Philosophiegeschichte die einzig konsequente Philosophie; sie leugne die Existenz Gottes, weil sie eine Verstandesphilosophie sei; hinter Spinozas Pantheismus verberge sich Atheismus. Damit trat Jacobi den so genannten Spinozastreit oder Pantheismusstreit los, an dem sich in Deutschland auch Gotthold Ephraim Lessing und in England Samuel Taylor Coleridge beteiligten, die beide in der Verwissenschaftlichung der Religion einen bedeutenden Schritt zu größerer religiöser Toleranz sahen. Dieser Haltung schlossen sich später Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe an. Die deutschen Romantiker erkannten in Spinozas Pantheismus den Inbegriff der Religiosität. Im 19. Jahrhundert sahen dann Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche in Spinoza den ersten atheistischen Denker der abendländischen Philosophiegeschichte.

(Video) PHILOSOPHY - Baruch Spinoza

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1. Baruch de Spinoza und der immanente Gott
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2. The Philosophy Of Baruch Spinoza
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3. Geschichte der Philosophie (10): Hobbes und Spinoza, Prof. Dr. Torsten Wilholt
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Author: Delena Feil

Last Updated: 07/19/2022

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